Anfrage für ein Statement zu den Townhouses an die Kandidierenden für die OB-Wahl am 26.4.26

In einer Mail haben wir mit nachstehenden Text die OB-Kandidierenden gefragt, die bereits Anfang März ihre Kandidatur bekannt gegeben haben, wie ihre Position zu der geplanten Waldrodung für den Bau der Townhouses im nördlichen Bereich des Langmattenwäldchens ist.

Die Antworten werden hier nach und nach eingefügt in der Reihenfolge des Eingangs .

Anfrage:

Vor über einem Jahr im Dezember 2024 wurden große Teile des Dietenbachwaldes nach der Räumung der Waldbesetzung gerodet. 

Dieses Ereignis hat viele Menschen sehr betroffen gemacht und war auch nur über eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für über 15 Tierarten möglich. 

Wir vom Aktionsbündnis Hände weg vom Dietenbachwald haben uns nie gegen den neuen Stadtteil ausgesprochen, sondern immer für Umplanungen für mehr Walderhalt.

Daher haben wir auch Verständnis dafür, dass Umplanungen bei fortgeschrittenem Planungsstand nur noch schwer umzusetzen sind. 

Dies trifft jedoch nicht für die Nordrand-Bebauung des Langmattenwäldchens zu.

Dieser Abschnitt ist erst deutlich später an der Reihe, jedoch in Ihrer Amtszeit, falls Sie gewählt werden würden.

Auf den Bau der sogenannten einzelstehenden Townhouses in diesem Abschnitt könnte ohne größeren Planungsaufwand verzichtet werden. Hier soll Wald gerodet werden, um Flächen für die privaten Gärten einiger weniger Menschen zu schaffen.

Als Klimaanpassungsstrategie für die zu erwartenden Hitzesommer ist der Erhalt des Waldes für die zukünftigen Bewohner:innen des neuen Stadtteils sogar dringend notwendig. 

Außerdem leben gerade im Bereich der Waldränder des, in den offiziellen Gutachten als sehr hochwertiger Wald eingestuften, Langmattenwäldchens besonders viele seltene Tier- und Vogelarten. Die Heimat dieser Arten wie Bechsteinfledermaus, Haselmaus, Kuckuck, Mittelspecht etc. könnte durch den Verzicht auf diese hochpreisige Wohnungen erhalten bleiben.

Es geht um den Verzicht auf 24 Wohnungen für etwa 80 Menschen, bei einer Gesamtplanung von 6.900 Wohnungen für 16.000 Menschen. Damit würden nur 0,3 Prozent weniger Wohnungen gebaut und Dietenbach würde letztlich nur 0,5 Prozent weniger Bewohnende zählen. Es bleiben immer noch 6.820 Wohnungen für 15.920 Menschen.

Wir finden: Der Schutz des wertvollen Waldes und der bedrohten Tiere ist diesen “Preis” wert.

Daher möchten wir Sie als OB-Kandidat:innen um ein Statement zu dem Bau der Townhouses bitten. Wie stehen Sie zur geplanten Bebauung mit Townhouses im Nordrandbereich des
Langmattenwäldchens, und würden Sie sich im Falle Ihrer Wahl durch Umplanungen für den Erhalt dieses
Waldabschnitts einsetzen?

Die Antwort von Ihnen und den anderen Kandidierenden würden wir auf unserer Homepage und auf Social Media veröffentlichen.

Antworten:

in der Reihenfolge des Eingangs

Dejan Mihajlović

zuerst einmal vielen Dank für die Erläuterung der Problematik. Entschuldigen Sie bitte die verspätete Antwort. Es ist nur so, dass ich keinen Parteiapparat oder Teams habe, die für mich arbeiten, voll berufstätig bin und mich um vier Kinder und noch einige ehrenamtliche Aufgaben kümmern muss. Daher bitte ich um Ihr Verständnis. 

Aufgrund meiner aktuellen Lage habe ich auch nicht die Ressourcen mich in jede Thematik vertieft einzuarbeiten, um die aktuelle Sachlage zu erfassen. Ihre Argumente klingen für mich schlüssig und decken sich mit meinen Werten und Zielen. Wenn ich das richtig verstehe, entscheidet das der Gemeinderat. Nach aktuellen Wissenstand würde ich mich aber für den Erhalt des Waldabschnitts und Ihre Beteiligung am Prozess einsetzen. Mein Kernanliegen, eine Demokratie-Modellstadt zu werden, umfasst engagierte Bürger*innen, die partizipieren und ihr Wissen, ihre Erfahrung einbringen können, um zu besseren Lösungen für alle zu kommen. Deshalb danke ich Ihnen auch für Ihr bisheriges Engagement, mit dem Sie das vorleben. 

Ich hoffe, dass Ihnen das als Positionierung zu diesem Zeitpunkt genügt. Ansonsten können wir uns gerne an einem der kommenden Samstag von 14 Uhr bis 17 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge austauschen, wo ich mich bis zum Wahlsonntag immer aufhalten werde.

Schöne Grüße

Dejan Mihajlović

Achim Wiehle

Guten Abend,

vielen Dank für Ihre Anfrage.  Welchen Stand die städtische Planung aktuell hat, kann ich als Außenstehender schlecht beurteilen. Die Anfrage kann ich nur allgemein, d.h. ohne spezifisches Wissen beantworten.

Meine Position zum Bau der Townhouses: Die Schaffung von Wohnraum ist eine der drängendsten Aufgaben unserer Zeit, doch sie darf nicht zu Lasten unwiederbringlicher Naturräume gehen. Das Langmatten Wäldchen erfüllt wichtige Funktionen für das Stadtklima, den Artenschutz und als Naherholungsgebiet für die Anwohner.
Klimaschutz: Wälder sind natürliche Kühlzellen. Gerade im Hinblick auf die zunehmende Erhitzung städtischer Gebiete ist jeder Quadratmeter Wald wertvoll.Wohnraum-Mix: Während Townhouses eine attraktive Wohnform darstellen, müssen wir uns fragen, ob der ökologische Preis an dieser spezifischen Stelle gerechtfertigt ist oder ob alternative Flächen für eine Nachverdichtung besser geeignet wären.Einsatz für den Erhalt des Waldabschnitts
Sollte ich gewählt werden, werde ich die bisherigen Planungen einer kritischen Prüfung unterziehen. Mein Ziel ist es, den Erhalt dieses Waldabschnitts durch intelligente Umplanungen zu priorisieren.
Prüfung von Alternativen: Ich werde mich dafür einsetzen, alternative Standorte im Stadtgebiet zu identifizieren, die bereits versiegelt sind oder einen deutlich geringeren ökologischen Wert aufweisen. Nachverdichtung vor Erschließung: Bevor wir in wertvolle Grünbestände eingreifen, müssen wir alle Potenziale der innerstädtischen Nachverdichtung und der Umnutzung von Leerständen ausschöpfen.Bürgerdialog: Eine Entscheidung über ein so sensibles Naturareal darf nicht über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg getroffen werden. Ich werde den Dialog mit Umweltverbänden und Anwohner Initiativen suchen, um eine Lösung zu finden, die den Wald schützt.
Fazit:Ich stehe für eine Stadtentwicklung mit Augenmaß. Der Erhalt des Langmatten Wäldchens ist für mich ein wichtiges Anliegen, und ich werde mich im Falle meiner Wahl aktiv dafür einsetzen, die Planungen so anzupassen, dass dieser Naturraum weitestgehend unberührt bleibt, sofern dies noch möglich ist..

Mit freundlichem Gruß

Team Wiehle 

Florian Braune

Liebes Aktionsbündnis,

vielen Dank für die Anfrage. Leider habe ich die Diskussion nur am Rande mitbekommen. Wie Sie wissen ist es immer eine Interessensabwägung zwischen Naturschutz und sozialen Belangen. Ich finde es muss immer im Einzelfall geprüft werden, welchen Belangen der Vorzug gegeben wird. Hierzu gehören insbesondere immer die Alternativen. Wie der Wahlkampf zeigt, ist das größte Problem von Freiburg der bezahlbare Wohnraum. Wenn man die Lösung ernst nimmt, dann muss auch der Naturschutz manchmal hinten anstehen. Alle die beides versprechen sagen die Unwahrheit. 

Konkret habe ich keine weiteren Informationen zum Thema Townhouses gefunden. Einen alten Wald abzuholzen für 24 Wohnungen finde ich auf den ersten Blick aber falsch. Ein Wald ist ein Biotop und es dauert ziemlich lange, bis anderswo wieder so etwas entstanden ist. In Bezug auf die Gasleitung: Manchmal muss man als OB auch ein Machtwort sprechen und Prioritäten setzen, zb. eine andere Trasse, wenn es die gibt. 

Sollte ich gewählt werden, freue ich mich auf einen konstruktiven persönlichen Austausch zum Wohle der Stadt und des Waldes.

Mit freundlichen Grüßen

Florian Braune 

Martin Horn

Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ist eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Daher setze ich mich mit vollem Einsatz für die Entwicklung des Stadtteils Dietenbach ein, mit dem ein vorbildhafter sozialer, ökologischer und lebenswerter Stadtteil für unsere Stadt entstehen wird. Damit verhindern wir Wegzug ins Umland, wo im Verhältnis eine deutlich höhere Flächenversiegelung und deutlich mehr Verkehr entstehen würde. Dabei ist selbstverständlich der wesentliche Kernbereich des Langmattenwaldes von Bebauung freizuhalten. In den Randbereichen muss jeder Eingriff in Wald sorgfältig abgewogen werden. Dies gilt auch für den angesprochenen Teil im nördlichen Bereich des Langmattenwäldchen. Wichtig ist dabei für mich der faktenbasierte demokratische Diskurs. Bei dem im aktuellen Planungsstand überplanten Waldbereich handelt es sich um eine Fläche von 0,5 ha, dies entspricht 2/3 eines Fußballfeld. Im Gegensatz zu den von Ihnen suggerierten Zahlen sind nach der aktuellen Planung nicht 24 Wohneinheiten in sog. Townhouses vorgesehen, sondern es besteht ein Potential für rund 70 Wohneinheiten in 4 bis 5-stöckigen Geschosswohnungsbau, insbesondere für Familien, und damit für ca. 150-200 Personen. Neben dieser Perspektive auf wichtige Wohneinheiten würde ein Verzicht auf Bebauung auch ein Verlust an Grundstückseinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe bedeuten, die beispielsweise für die Schaffung von sozialer Infrastruktur von besonderer Bedeutung sind. Sobald die Planungen sich konkretisieren, werde ich mich dafür einsetzen, diese zu optimieren, etwa durch eine noch effizientere Ausnutzung der Flächen oder eine geringfügige Anpassung möglicher Waldgrenzen. Ein vollständiger Verzicht auf die Bebauung halte ich aber für nicht vertretbar.

Monika Stein

Liebes Aktionsbündnis Hände weg vom Dietenbachwald, 

für die Nordrandbebauung des Langmattenwäldchens ist noch kein konkreter Bebauungsplan erarbeitet worden, da der Bauabschnitt erst in einigen Jahren realisiert wird. Deswegen würde ich mich als Oberbürgermeisterin dafür einsetzen, dass der Schutz des Langmattenwäldchens Priorität bekommt und Alternative in Form von höherer oder dichterer Bebauung gefunden wird, sodass keine weiteren Bäume für „Townhouses“ gefällt werden müssen.

Vielen Dank für euer Engagement. 

Liebe Grüße

Monika Stein