Brief an den Gemeinderat anlässlich der Abstimmung über den Sportcampus Dietenbach

Im Vergleich zum Planungsstand ganz oben, ein Satellitenbild vor der Rodung.

Sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderats, sehr geehrte Stadtverwaltung

Diesen Dienstag den 30.09.25 werden Sie über den Entwurf des Schul- und Sportcampus abstimmen.

Auch wenn es lobenswerte kleine Änderungen zum Erhalt von einigen Bäumen gibt, bleibt de facto die Rodung von 1,3 ha bis 1,9 ha eines hochwertigen Mischwaldes für Sportanlagen.

Letzten Dezember hat die bereits erfolgte Rodung für Gasleitung und Straßenbahntrasse viele Menschen in Freiburg entsetzt und sehr traurig gemacht.

Gerade zu Zeiten des gravierenden Artensterbens ist es unverständlich, dass gefährdete Tierarten wie Haselmaus, Bechsteinfledermaus, Hirschkäfer und Kuckuck wichtigen Lebensraum verlieren. Für 21 Tierarten ist für den neuen Stadtteil sogar eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung nötig. Durch rechtzeitige Umplanungen hätte viel mehr Wald gerettet werden können.

Nun sehen wir jedoch durchaus die Notwendigkeit von Sportanlagen bei einem neuen Stadtteil und für das bestehende Rieselfeld sowie die Schwierigkeit möglicher Umplanungen bei weit fortgeschrittenem Planungsstand.

Daher bitten wir Sie, nachdem bereits viel Wald gerodet wurde bzw. noch gerodet werden soll, zumindest in Zukunft den nördlichen Bereich des Langmattenwäldchen zu erhalten. In diesem Bereich sollen die sogenannten, einzelstehenden Townhouses entstehen. Dieser Waldabschnitt mit vielen alten Bäumen ist in den Gutachten als sehr hochwertig eingestuft worden. Ausgleichsmassnahmen wie das Nachpflanzen von jungen Bäumen können nicht die selbe ökologische Funktion von 100-200jährigen Bäumen ersetzen.

Ein Verzicht auf diese Bebauung wäre ohne grossen Planungsaufwand zum jetzigen Zeitpunkt ohne Weiteres realisierbar und würde, da dort eher hochpreisige Wohnungen entstünden, den sozialen Wohnungsbau nicht beeinträchtigen.

Wir bitten Sie daher, schon jetzt und damit vor Abstimmung des Bebauungsplans 3 auf die Verwaltung entsprechend einzuwirken und verschiedene Möglichkeiten zum Erhalt prüfen zu lassen. Dazu könnten gehören:

  • Verzicht der Bebauung am nördlichen Waldrand
  • Umbenennung des Ringboulevards in einem Namen, der keine durchgängige Bebauung auf beiden Seiten der Straße nahelegt
  • Prüfung von Ausnahmeregelungen zur 30-Meter-Abstandsregelung vom Wald.

Darüber hinaus würden wir begrüssen, wenn Sie die Verwaltung anregen würden, mittels des neuen KI-Modells der Freiburger Forscher:innen zur Hitzebelastung die Auswirkungen für den zukünftigen Stadtteil Dietenbach berechnen zu lassen, um auf dieser Basis eine verlässliche Entscheidungsgrundlage zu gewinnen.

Aufgrund der aktuellen Klimaprognose mit bis zu drei Grad Erwärmung bis 2050 wäre der Erhalt dieses Waldabschnitts neben dem Schutz von Lebensräumen eine vergleichsweise kostengünstige und dringend notwendige Klimaanpassungsstrategie. Sie entspräche zudem dem Wunsch vieler Freiburger Bürgerinnen und Bürger und böte den zukünftigen Bewohner:innen vor heissen Tagen wichtigen Schutz vor der Hitzebelastung, die einzelne Strassenbäume nicht abfedern können.