Brief an den Gemeinderat vom 07.07.23

Am 07.07.23 versendeten wir vom Netzwerk einen Brief an alle Fraktionen und Mitglieder des Gemeinderats Freiburg mit nachstehendem Inhalt:

An die
Damen und Herren
Gemeinderäte der
Stadt Freiburg
Rathausplatz
79098 Freiburg
07.Juli 2023


Betr : „Hände weg vom Dietenbachwald“
Wald ist Klima- und Artenschutz !


Sehr geehrte Damen und Herren Gemeinderäte,

der dramatische Klimawandel hat in der Öffentlichkeit viele Diskussionen zum Thema
Wald ausgelöst. In diesem Zusammenhang möchten wir Sie davor warnen, den Schutz
des bestehenden Dietenbach-Walds zu vernachlässigen.
Sie haben 2019 beschlossen, dass Maßnahmen für den Klima- und Artenschutz die
„allerhöchste Priorität“ haben sollen und dass es darum geht, die „schwerwiegenden
Folgen“ des Klimawandels und Artensterbens „prioritär“ zu berücksichtigen.:
https://www.freiburg.de/pb/1485424.html
Waldflächen stehen eben genau dafür: sie stellen ein komplexes Ökosystem dar mit
kostenloser Naturfunktion, um CO-2 zu speichern, Sauerstoff zu erzeugen, Luft zu
kühlen, Regenwasser zu halten und zu reinigen sowie vielen Tier- und Pflanzenarten
Lebens- und Schutzraum zu bieten.
Das ist nicht nur schützenswert, sondern schlicht unersetzbar, denn die anvisierten
Ausgleichsmaßnahmen wirken viel zu langsam gegen den dramatisch beschleunigten
Klimawandel bzw. Artenschwund.
Ihren Beschluss als „Manifest“ zu bezeichnen, unterstreicht ganz deutlich seine

Bedeutung; es kommt einem öffentlichen Schwur gleich (s. auch Klimaschutz als Leitziel in
der „Waldkonvention 2020“). Nur das müssen Sie – spätestens jetzt – gegenüber den
Planern auch durchsetzen !
Denn wenn die Dietenbach-Planung vorsieht, im Langmattenwäldchen und in benach-
barten Bereichen 3.500 Bäume zu fällen und ca. 4,5 ha Natur-Laubwald zu vernichten,
verantworten Sie es, – und nicht die Planer !
Um einen schönen, funktionierenden und möglichst ökologischen Stadtteil Dietenbach
zu bauen, bedarf es weiterhin höchstes Bemühen, Flora und Fauna zu schützen .

Den vorhandenen Naturwald nicht zu reduzieren, wäre auch eine zentrale Maßnahme
zur „Klimaanpassung“ und Kühlung der westlichen Stadtteile

(vgl. das prämierte „KLAK-Hitze“ als „Schlüsselrolle für eine resiliente Stadtentwicklung“, lt. BM Haag).
Wenn die Planer das nicht begreifen und Ihnen weismachen wollen, dass 3.500 Bäume
stören, Vermarktungsfläche kosten und den Wohn- und Sportbedürfnissen im Weg
stehen, dürfen Sie das nicht akzeptieren. Warum tun Sie es trotzdem ?
Walderhalt statt Ausgleichsmaßnahmen entlastet sogar die Dietenbacher Finanzie-
rungsengpässe !
Zudem ist es leicht (und auch nicht teuer), den bisherigen Rahmenplan so zu ändern,
dass der Naturwald in viel höherem Maß erhalten bleibt und trotzdem die gewünschte
Wohnungsmenge samt Sportplätzen gebaut werden kann. Auch um die breite Straßen-
bahnschneise durch den Wald zu minimieren, bedarf es nur einer geringen Verände-
rung (Umfahrung; s. Ideenskizze in der Anlage), und für den Schul- und Sportcampus
lassen sich (gem .der Ausschreibung !) viel mehr Bäume erhalten, als im Siegerentwurf
dargestellt.
Aktuell müssen wir es als skandalös bezeichnen, dass die Verwaltung nicht in der
Lage ist, sogar vorzeitige Baumfällungen durch die bisherigen Grundeigentümer genau
dort zu verhindern, wo lt. Rahmenplan der Wald stehen bleiben soll ! In den Verkaufs-
verträgen wurde offenbar vergessen (?), den Holzbestand einzuschließen und mit zu
vergüten.

Es ist schlicht unverantwortlich, wie die Verwaltung und die Planer mit dem Wald, der
allen Bürgern zugute kommt, umgeht. Die mehrere Tausend Unterschriften, die bisher
für den Walderhalt gesammelt wurden, beruhen auf klaren und wissenschaftlich
vielfach bestätigten Fakten.
Die BZ titelte kürzlich: „In 365 Tagen ist Kommunalwahl“ , – vielleicht bewegt auch
diese Ansage Sie, das Waldthema um Zuge der Dietenbach-Planung neu zu über-
denken ?
Wir möchten mit Ihnen und den Planern ins Gespräch kommen und bitten Sie
herzlich, uns das zu ermöglichen.
Wir grüßen Sie freundlich,
i.A.

gez. Tjark Voigts


P.S.:
Grußwort von Ministerpräsident W. Kretschmann zum Tag der Artenvielfalt:
https://tag-der-artenvielfalt-bw.de/grusswort-winfried-kretschmann/
Unser prämierte Kurzfilm:
https://www.klimacampfreiburg.de/das-kleinod-der-umkaempfte-dietenbach-wald/
Homepage:
https://haendewegvomdietenbachwald.de/

Mitunterzeichner*innnen:
Mascha Klein (für den Vorstand BUND-Ortsgruppe Freiburg)
Ralf Schmidt (für den Vorstand NABU-Ortsgruppe sowie Plan-B e.V.)
Peter Lutz (für den Landesnaturschutzverband-AK Freiburg-Kaiserstuhl)
Nikolaus Geiler (für den AK Wasser im BBU e.V. und regioWASSER e.V.)
Pascal Engel (für „Parents-for-Future“)
div. Vertreter vom „Klimacamp Freiburg“
Verena Völz (für „Extinction Rebellion“ XR, Ortsgruppe Fr.)
Susanne Schlatter (für die Interessengemeinschaft Obergrün)
Elisabeth Lerner (für die Initiative „Grüner Schatz für Freiburg“)
Andreas Roessler (Vorstand BürgerInnenverein BIV Rieselfeld)
Barbara Wimmel (für „Kind & Umwelt Gesundheitsförderung e.V.”)
Prof. Dr. Michael Wirsching (Vorstand Freiburg Lebenswert e.V.)
Prof. Dr. Sabine Rollberg, Freiburg